Teil eines Werkes 
3 (1843)
Entstehung
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feinſtem Alabaſter gemeißelt, der ſchönſten Antike ähnelnd, in dieſen Zügen aber ein Schmerzenszug, der ſtereotyp geworden, doch dem Reiz keinen Abbruch that, ſondern ihn erhöhete; eine jugendliche Niobe, welche ein ewiges unheilbares Weh kühn und kräftig durch die Welt trägt, und zwiefach das Herz anzieht, weil klar in ihren Zügen ſteht, daß wer ſie zu lieben kühn genug, unbefriedigt lieben muß, bis der Tod ruft. Ich erſchrack und ver⸗ ſtummte. Da faßte ſie meinen Blick mit dem großen eiſigkalten, dunkeln Auge auf, und ſprach mit einer Stimme voll Wohlklang, aber gedämpft durch eine be⸗ laſtete Bruſt: Ich bewundere nichts im Leben, als daß der Menſch dem Menſchen es ſo ſchwer macht, allein zu ſein! Beſtürzt über die bittere, nicht erwartete Un⸗ höflichkeit trat ich zurück von ihr, und ſie nahm mit der Rechten den Hut, faßte mit der Linken das Kind, und ging gemeſſenen Schrittes den Berghang hinunter. Eine innere, mir ſonſt ganz fremde Aergerlichkeit hinderte mich, ihr zu folgen. Ich ſaß lange am alten Ulmbaume, und ſtarrte in den Bach hinein, an deſſen Rande die Strudel noch mit einigen der Grasblumen ſpielten, welche ſie hineingeworfen. Ich ſuchte mich zu zerſtreuen, in⸗ dem ich die Scene in meine Mappe zu tragen wagte, aber ſobald ſie fertig vor mir ſaß auf dem weißen Blatte hier, wurde die erſte Glut friſch angefacht, und ich flog auf, ſuchte, forſchte raſtlos, fand aber nichts mehr von ihr in der Gegend, und eilte zu euch nach Auskunft, denn ich muß ſie wiederſehen und ſie fragen: Warum ſie von allen Weibern die Einzige gegen alle Natur das Recht begehrt, allein zu ſein?

Er hatte ſeine Mappe vor uns auf den Tiſch ge⸗ breitet; Eugen, deſſen Geſicht während der Erzählung