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wandelte dann durch das Gräberfeld, mit Recht der Friedhof von Europa genannt, da hier ſo manche neben einander ſchlafen, deren Wiege viele hundert Meilen aus einander geſtanden, und beſtieg zuletzt den Kirch⸗ thurm, wo die alte Todtenglocke meine ernſte Stimmung durch ihre einfache aber erhebende Inſchrift: Gottes Wort bleibt ewig! nicht minderte, aber heiliger machte. Ermüdet ſuchte ich zuletzt den Ruheplatz vor dem Kirch⸗ lein, der mich ſchon bei dem Kommen freundlich ange⸗ ſprochen, mit dem Drange die finſtern Gedanken durch einen Blick in die köſtliche Umſicht abzuſpülen, und den alten Lebensmuth wieder aufzurichten. Der Platz am vorübertanzenden Silberbächlein und unter der morſchen Ulme war gegen meine Erwartung beſetzt.—
Beglückt,— Verwegener! Du überraſchteſt wohl gar die Gaſteiner Bergnymphe im Morgenbade? fiel Eugen ſcherzend ihm in das Wort. Adelbert hörte nicht.—
Ein Kind, etwa vierjährig, ein Mägdlein, niedlich wie ein flügelloſer Engel, friſch wie Milch und Blut, als wäre ſie ein Kind dieſes Thales, fuhr er fort, hüpfte am ſeichten Waſſer umher, brach Grasblümchen und ſammelte vom ſeidengrünen Fadenmooſe, und trug raſt⸗ los ihren Fund in den Schvoß eines Frauenzimmers, die abgewendet von mir unter dem alten Ulmenbaum ſaß. Nichts ſah ich von ihr als eine Fülle ächtgermaniſchen goldblonden Haares, auf dem die Sonnenſtrahlen ſpielten, als wollten ſie ſich, angelockt von dem ähnlichen Glanz, mit ihm verſchmelzen, und das in reichen Flechten über das Trauerkleid bis zum Graſe herabfiel. Der ſchwarze Strohhut mit dem Schleier lag neben ihr, aber eine weiße Hand ward mir ſichtbar, die mit mechaniſcher Be⸗ wegung langſam und in kleinen Pauſen die geſammelten


