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entfaltet. Da ſah er nun tief unten ſchon das blaue Band ihres Sommerhutes flattern, und lag er auch wie der Edelfalk an der unzerbrechlichen Kette des grauſamen Falkoniers, ſo drückte ihn doch die Blendhaube nicht, er durfte die Blicke fliegen laſſen, ſeine Seele durfte der Gefundenen nachſchweben, und daran erlabte er ſich. War ihm doch, als ſei er plötzlich von ſchwerer Krank⸗ heit geſundet; er fühlte das träg geweſene Blut jung und heiß pulſiren; wie mit Adlerfittichen hob ihn die Phantaſie vom Boden, auf dem er gekrochen. Er tau⸗ melte mit Augen, welche weder Weg noch Gefährten beachteten, weiter; nur ihr Bild, das eine Bild, das dem Leben wieder Werth gab, ſchwebte ihm voran; er legte ſeine rechte zitternde Hand auf ſeinen linken Arm, wo ihr warmer Leib geruhet, er küßte verſtohlen mit einem Wahnſinnseifer ſeine eigene Hand, welche ihren runden, friſchen, nackten Arm berührt hatte, und es däuchte ihm, als ziehe ein erquicklicher und zugleich be⸗ täubender ſüßer Duft von der Hand in ſeine Sinne. Aber zu der Wahnſinnluſt ſollte bald die überwiegende Pein ſich geſellen. Unten im Park mehrte ſich der Men⸗ ſchenknäuel bis zum Ungeheuren, und nicht lange, ſo war das himmelfarbene Tuch, der himmelfarbene Wim⸗ pel verſchwunden. O ſchreckliches Gefühl, kriechen zu müſſen mit Schneckenſchritten, wo der Flug der Schwalbe ihm nicht genügt hätte! Schrecklicher, wie ihm in der Nacht, welche nach Emma's Verſchwinden auf ſeinen Geiſt herabſank, klar wurde, daß er ja doch ewig von ihr getrennt bleiben müſſe, daß ein unüberſpringbarer Schlund zwiſchen ihnen ſei, daß er ſie, die Fremde, vielleicht nimmer wieder ſähe.—
Die Geſellſchaft, welche ihn in Ketten nachſchleppte,


