Teil eines Werkes 
2 (1843)
Entstehung
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Hute. Ja, meine Egwia, ſagte er, Oluf hat Recht. Der Vater iſt umgewandelt; das Unglück hat auch ſeine Härte geſchmolzen. Gut, daß Du mich erinnerſt, Freund; ich gehe ihn aufzuſuchen, ihn zu verſöhnen. Wenn ich ihm zurufe: Egwia lebt! Egwia wurde durch ein Wun⸗ der gerettet! ſo wird er dem Ueberbringer dieſer Liebes⸗ poſt den höchſten Lohn nicht verſagen, und fordert er auch dieſe Egwia ſelbſt.

Wohin willſt Du? fragte Folkerts, ihn feſthaltend und ſchwankend, auf welche Weiſe er die traurige Bot⸗ ſchaft, die ihm auf den Lippen ſchwebte, die jetzt geſagt werden mußte, am wenigſten verwundend für die Freun⸗ din ausſprechen ſollte.

Wohin? antwortete Frerich. Nun, Du weißt ja um meine Ehrenſache. Mein Gegner wird nicht lange auf ſich warten laſſen.

Du kennſt den Hemmo Blodhand recht, tönte da eine tiefe Stimme in der Zimmerthür. Bei einem Ehren⸗ gang war er ſtets zur rechten Zeit am Platze. Alle wandten ſich dem Tone zu, und der Kapitän, welcher ſchon längſt in der offengelaſſenen Thür Zeuge der Scene geweſen war, trat jetzt in ſeinen Mantel gewickelt vollends in das Zimmer.

Folkerts ſtand wie verſteinert; Ihr lebt? hallte von ſeinen bleichen Lippen. Egwia flog jedoch dem Vater entgegen, klammerte ſich an ſeine Bruſt, und der lange finſtere Mann ſchlug ſeine Arme krampfhaft um ihren ſchlanken Leib, als wollte er ſie zerdrücken, und dicke Thränen perlten über ſein braunes Geſicht in den dichten Bart hinab. Eine ſtille Pauſe folgte, keiner der Zu⸗ ſchauer wagte ein ſtörend Wort, Jeder war ängſtlich geſpannt auf das, was jetzt kommen würde; hing doch