Teil eines Werkes 
2 (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

432

die wilden Seelen hinüber und winkten mit ihren Mützen und Tüchern, wie man Abſchied nimmt von einem lieben Blutsfreunde; viele Augen wurden feucht, welche der Anblick des tiefſten menſchlichen Elends trocken gelaſſen; hier fielen ſich Todfeinde um den Hals, dort ſprachen die niedrigern Gemüther mit Haſt der Flaſche zu, um den Schmerz zu erſäufen; und dann traten ſie ihren Marſch geduldiger an, der zuerſt nach dem Orte Sche⸗ velingen und von da nach der holländiſchen Stadt Haag von dem feindlichen Oberſt, der ihnen die Waffen abge⸗ nommen, dirigirt wurde.

In einem kleinen Gaſthofe, der jedoch in einem der ſchönſten Quartiere der Hauptſtadt von Südholland lag, ſaß ein junger, anſehnlicher und fein gekleideter Mann am Fenſter der gemeinſamen Gaſtſtube, und ſchauete ſchwermüthigen Geſichts in das kalte Novemberwetter hinaus, welches in feinen Schneeflocken ſich niederließ und die Fenſter ſchon am Rande mit zierlichen Eis⸗ blümchen umſäumte.

Der Wirth, Herr Jocondus, ein wohlgerundeter Holländer, trat in ſeinem braunen Rocke und der runden Perrüke und den über die Knie gezogenen und da mit ſchwarzen Sammetbändern feſtgeſchnallten, lichtblauen Strümpfen zu dem Gaſte und machte ihm ſein ſteifes Compliment, welches Jener nachläſſig erwiderte.

Mein Herr, redete der Wirth zum Gaſte, Wagen und Pferde ſind in den beſten Stall gebracht, den je ein holländiſcher Beſen ſcheuerte, und das Zimmerchen wird ſogleich gewärmt ſein. Glühwein und Theekanne ſind ſchon parat, und der Herr darf nur befehlen, ob hier