Teil eines Werkes 
2 (1843)
Entstehung
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Schauder erregte, warf keinen Scorpion in ſein Ge⸗ wiſſen. War der Ermordete doch ein Feind des Königs, ein Gewaltthätiger, ein Unſchuldsräuber geweſen: ſo kam ihm ſeine That vor wie ein Gottesblitz, der den böſen Saulus mitten in der Unthat niedergeſchlagen. Sein zweiter Gedanke traf des guten Herrn und ſeiner ſchuldloſen Braut Verhängniß. Was konnten die ſchwe⸗ diſchen Reiter in ihrer erſten Wuth nicht alles an ihnen verüben! Faſt hätte er den Zügel ſeines Pferdes zurück⸗ gewendet, als ſeiner Phantaſie die Bilder von Miß⸗ handlung und Brand vorübergezogen, die ſich an dieſen Gedanken reiheten. Helfen, ſchirmen konnte er freilich nicht, aber rächen doch und mit ihnen in der Wehr untergehen.— Da ſah er von der mit Birken bewach⸗ ſenen Höhe, über welche er hinritt, fern eine Schwa⸗ dron Dragoner aus einem Dorfe hervorrücken, ſah die wehende Standarte, die blinkenden Waffen, hörte den ſchmetternden Trompetenſtoß. Ketten, Kerker, Hohn und Henkerbeil ſtanden ihm plötzlich vor Augen, und der mächtigſte aller Thiertriebe, der Trieb der Selbſterhal⸗ tung, flammte auch in ihm auf, und der Inſtinkt unter⸗ jochte alle Gefühle. Er drückte dem Hengſte feſt die Ferſen ein und ſetzte raſtlos ſeine Flucht fort, bis er in den Grenzen des Hamburger Gebietes ſich ſicher glauben durfte.

Die freie gewaltige Hanſeſtadt nahm den Flüchtling auf; doch fand er keinen Vertrauten, keinen Rathgeber in ihr, denn der Senator, an den der Brief des Ba⸗ rons gerichtet war, hatte die Stadt verlaſſen, und die Furcht hielt Ris ab, einem Andern ſein blutiges Geheimniß anzuvertrauen. Er verkaufte ſein Roß und wanderte umher in den endloſen Straßen und an den