Teil eines Werkes 
1 (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ihrer Unruhe; ſie mußten ja ſein erſter Gedanke ſein, ſobald, er der Ehre Genüge gethan. Wie horchte ſie, wie ſtrengte ſie alle ihre Sinne an, den Hufſchlag des ſchwarzen Hengſtes, ſein bekanntes Wiehern zuerſt zu vernehmen; wie geſpannt ſuchte ihr jugendliches Auge im Goldlichte des Vollmondes, der ſich eben über dem Horizonte erhob, die liebe Geſtalt aufzufinden, nur ein tröſtend Zeichen des Mannes zu entdecken, ohne den ſie ſich das Leben nicht denken konnte, den ihr Herz und ihr WMund jetzt mit Stimmen der innigſten Sehnſucht vom Himmel ſich erbat. Horch! da wurde es laut am Gatterthore; Menſchen kamen eilig unter den Bäumen heran; es war der Leib⸗ jäger; es war Balthaſar, aber der erſte Ton ihres Geſprächs, der deutlicher und verſtändlich an das Ohr der ſich weit hinaus Beugenden ſchlug, fuhr ihr wie ein Eisſtrom durch Seele und Leib, und verwandelte ſie in ein ſtarres, bewegungsloſes Weſen, dem der Gebrauch der Sinne in dieſer Regungsloſigkeit fürchterlich werden mußte. Frage nicht, du Plappermaul, ſo erklang des Kor⸗ porals klägliche Stimme; ja deine armſelige Perſon iſt ſicher, ihr alle habt nicht mehr zu zittern, die flinken Uhlanen und die brave Landwehr kamen uns zum Suc⸗ curs zu rechter Zeit, und der Feind liegt ſtill auf dem Waldraſen, oder ſchwimmt todt und lebendig im Fluſſe hinunter. Aber ſtrenge deine Stelzbeine an, du Haſen⸗ herz, und ſchrei Alles, was im Hauſe lebt, zuſammen, denn mir ſind die alten Knochen lahm, und die ausge⸗ dörrte Lunge hat keinen Athemzug Luft mehr im Her⸗ laufen behalten. Was iſt denn los, ſprich doch vernünftig, und jaule

Blumenhagen. I.

449

29