Teil eines Werkes 
1 (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

429

freilich ſchon geſtern Abends das Reſultat meiner Re⸗ cognoscirung, aber der alte Präſident hat einen Wein⸗ keller, der dem Potsdamer wenig nachgibt; wie an einen Magnetberg gefeſſelt hielt der ſeltene Oporto mich bis nach Mitternacht, und heimkommend fand ich Deine Betten ſo einladend, daß ich dachte, meine Hiobspoſt käme Deinem zärtlichen Herzen noch früh genug. Der Major ſetzte ſich ruhig an die andere Seite des runden Tiſchchens, auf das der Rittmeiſter Arm und Kopf bequem geſtützt.

Hiobspoſt? fragte er verwundert. Ich wette, Du haſt mir nichts Neues zu berichten. Und als der Lützvwer auffuhr und ſeinen böſen Spruch beginnen wollte, legte der Freund ihm ſanft die Hand auf den Mund und erzählte dem Staunenden die ganze Beichte der Geliebten ohne Hehl. Wahrlich, bei Blüchers Schimmel! rief der Verwunderte aus, das Mädchen iſt apart, und wär's nicht ein ſündiger Wunſch, ich gönnte Dir den rothwangigen Apfel, in dem kein Wurm ſitzt.

O ſie iſt eine reine Lilie, entgegnete Herr Richard; ſie duldet keinen ſchwarzen Käfer im Kelche, und hätte der König Deiner Schaar eine andere Marſchordre ge⸗ ſchrieben

Rede nicht aus, Freund! fiel Streithelm ein. Danke Gott für den Zufall, denn nach der Hochzeit wäre ſo etwas ſchmerzlicher geworden. Ich bin ein fermer Weiber⸗ kenner, und kann nicht läugnen, daß die Augen Deiner Genoveva mehr verriethen, als eine pure Kurzweil an einer ſchönen Figur. Jedoch dients Dir vielleicht zum Glück, denn ein Staabsoffizier wie wir ſetzt ſich nirgend feſt, wo er nicht zuvor gewiß wurde, ſeine Poſition