—
26
Hell ſtrahlte die große, rothglühende eben aufgegan⸗ gene Mondesſcheibe in Oſten, und ſchoß ihr Licht unter den Gipfeln der Eichen hin und beleuchtete klar und faſt mit Tagesſchein den blutigen Wieſenplan. Langſam er⸗ wachte Kuno, wie aus einem ſchweren und unerquicklichen Schlafe. Alle ſeine Glieder ſchmerzten, und eine eiſige Kälte hauſete in dem Mark ſeiner Knochen, als wäre der Tod ſchon Herr geworden in ihnen; aber auf ihm lag es ſchwer und heiß und beengend, wie er ſich erin⸗ nerte aus der Knabenzeit, wenn der Alp Nachts den vollblütigen Burſchen nach einer tüchtigen Abendmahlzeit gedrückt. Allmälig öffnete er die Augen, doch das Mondlicht blendete, und er vermochte nicht zu erkennen. Er regte die Arme und umfaßte, was ihn preßte, um ſich von der Laſt zu befreien, und ſeine kalte Hand fühlte warmes und ſammtweiches Fleiſch und menſchliche Glied⸗ maßen. Doch ſogleich ward ihm die Bruſt frei, und als er mit einem tiefen Athemzuge ſich jetzt aufrecht ſetzte, kniete die Mohrin neben ihn, ſtarrte ihn mit weitoffenen Augen an, und breitete dann mit einem Jubelſchrei die Arme aus gegen den Mond.
„Wie kommſt du hieher, Anna?“ fragte er matt und leiſe.
„O Herr, ſo zürneſt du nicht mehr,“ rief das ſchwarze Mädchen;„denn du nennſt mich wieder bei meinem neuen Namen, den mir der freundliche Chriſten⸗ prieſter gegeben! Aber wie iſt mir denn? Du lebſt wirklich, und Sekina hatte ſich zu dir gebettet, um dir nachzufolgen über die Brücke des Paradieſes.“—
Kuno verſuchte ſich ganz aufzurichten, doch vermochte er's nicht.—„Wo ſind wir und was geſchah mit mir?“ fragte er ſich beſinnend und umherſchauend; aber
—


