—
24
„Wachen, auf aus Ruh! Ritter des Kreuzes, zum Schwert! Der Feind iſt uns dicht an der Stirn!“ ſo donnerte ſeine hallende Stimme durch die Nacht, und überall ward es auch ſofort lebendig um ihn. Das Fuß⸗ volk war ſchnell auf dem Platze; die Spießträger drängten ſich, ihr Viereck zu formen; die Schützen ſprangen durch den Buſch, und man hörte die Sehnen der Armbrüſte knarren und die Bolzen im Köcher raſſeln; auch die Reiter liefen zu ihren unruhigen Thieren, und Pierre von Briſſac, der ebenfalls heranſchritt, hemmte ſei⸗ nen Fuß, als er den deutſchen Ritter erkannte, der ſeinem Roſſe den Zügel überzuwerfen bemüht war, und ſprach:„Seid Ihr's, der wie mit der Poſaune des Weltgerichts uns aufſchreit? Wo iſt der Feind? Neckte Euch wiederum der Hexenſpuk Eurer Heimath? Oder tanzet Ihr in den Träumen eines Nachtwandlers? Ich ſehe nichts, höre nichts, und beſchritt noch eben die Poſten.“—
Kuno wollte antworten, doch es bedurfte ſeiner Worte nicht; was geſchah, antwortete ſchneller und anſchaulicher, als der ſcheltende Franzos es gewünſcht. Ein plötzliches Rauſchen wie Waſſerſturz und Wolkenbruch erhob ſich ringsum; die lichteren Räume zwiſchen den Bäumen wurden verfinſtert, und es blitzte und zuckte lebendig in dieſer Finſterniß: dann ſchnob es heran und dunkele Thiergeſtalten brachen hervor, vorn und zur Seite; dumpf und verhalten vernahm das Ohr den grauſen Feldruf:
Gott iſt Gott! Allah al Allah! die Parole des Mords,
und auch das tapferſte Frankenherz mußte erbeben.— Es war ein Ueberfall der Afrikaner, und ſie waren durch die Dämmerung herangeflogen in bedeutender Zahl auf den windſchnellen Pferden und hatten die Poſten nieder⸗


