Teil eines Werkes 
1 (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

20

kläfften zwiſchen dem Geſtein. Ich ging allein, vorſich⸗ tig und aufmerkſam. Da flog durch das Geſträuch die ſchwarze Dirne, wie die Schwalbe vor dem Winde ſchießt, und ehe ich mich beſonnen, lag ſie erſchöpft und athemlos vor meinen Füßen.Schütze mich, weißer Geiſt, ſtammelte ſie mit Tönen, die jedes Menſchenherz verſtehen mußte,denn Azrail, der Todesengel, iſt dicht an meiner Ferſe! Kaum hatte ſie ſo gerufen, ſo ſchnob auch ſchon ein Roß mir nahe, und ein gelber Sarazen mit glühendem, verzerrtem Antlitz warf ſich aus dem Sattel und ſprang auf uns heran.Laß ſie, Chriſt! brüllte er;Sekina iſt meine Sklavin, du haſt kein Recht an ſie, du müßteſt denn den theuren Kaufpreis zahlen mit der Waffe oder dem Blut! Ich ſtand noch überraſcht und unentſchloſſen, doch die Dirne hatte ſich wieder aufgerafft und flog gegen die Trümmer hin. Ihr nach ſtürzte ſich der grimme Wür⸗ ger; ſchon hatte er ſie erreicht, ſchon die Ohnmächtige gepackt am gelben Halsringe, ſchon ſchwang der Blut⸗ gierige ſeinen Jataghan über ihrem Haupte, da ſchnarrte meine Armbruſt, und der Eiſenbolzen ſaß in ſeiner dicht⸗ behaarten Bruſt. Wie ich's gethan, warum ich's gethan, wußte ich nicht, aber das ſchwarze Kind wand ſich im Staube vor mir, und küßte meinen Stiefel und meine Knie, und mir fiel bei, wie ſie verſtoßen ſei und allein und heimathlos gleich mir, und ich konnte nicht anders

als mild und tröſtend zu ihr ſprechen. Die Jagdgeſellen

kamen zurück. In ihrer Glaubenswuth wollten ſie die Heidin opfern, ſtatt der Hyäne ſie zum Wild für ihre Bolzen hetzen. Ich wehrte dem mit Wort und Fauſt, verſprach eine Chriſtin aus ihr zu machen, und rettete ſo zum zweiten Male dieſe Unglückſelige. Die Geſchichte