18
daß das rothe Kreuz auf euren Schultern glänzt, und daß der Mameluck von ſeinem Thurme mit Habichts⸗ augen auf uns niederblickt? Auf des Prinzen Befehl beſuchten wir die Poſten; die Wachen ſchliefen und kein Ritter weckte ſie.“—
„Wer ſind die Hauptleute?“ zürnte des alten Her⸗ zogs tiefe Stimme.„La Marche, Briſſac, Seaur und Mirepoix, ihr werdet morgen vor dem Kriegsrathe ſtehen und Rechenſchaft zu geben haben. Schmach über die Leichtfertigen, die hier den Lüſten fröhnten, indeß die Trauerfahne in dem Lager weht. Wohl dem from⸗ men Ludwig, daß er nicht mehr gezwungen, mit wundem Gemüth euch zu richten. Fühlt euren Frevel im zer⸗ knirſchten Herzen, denn der König iſt vor einer Stunde in Gott verſchieden.“—
Eine Grabesſtille erfüllte den Raum und als der Herzog bei ſeinen letzten Worten ſein kahles Haupt ent⸗ blößte, thaten Alle deßgleichen, und man ſah nur er⸗ blichene Geſichter und zu Boden geſenkte Augen. Da tönte des wilden Gilles de Maillis lautſchallende Stimme hinten aus dem Gedräng.„Der König von Frankreich ſtirbt nicht;“ rief er.„Ludwig iſt todt, es lebe der König, es lebe Philipp der kühne Prinz, der Freund ſeiner Ritterſchaft.“—
„Es lebe der König!“ ſprach auch der Herzog, in⸗ dem er ſein Haupt bedeckte und einen düſtern Blick über den Kreis der Nachſchreier hingleiten ließ.„Der Him⸗ mel gebe ihm eine glorreiche Regierung wie ſeinem Vater, und weniger des Kummers und der Sorge! Auf eure Poſten, meine Herren! König Philipp befiehlt's und ordert ſtrenge Wache, damit die Trauerpoſt nicht zu


