Neues Hoffen und neues Leid. 93
Menſchenmenge, welche den Kornmarkt bedeckte. Clignet mahnte zum Aufbruche, denn es war ihm ſchon unangenehm, daß um ihretwillen ſich eine ſolche Menſchenzahl herbeigezogen hatte. Indeſſen kamen ſie doch ſo ſchnell nicht vom Flecke. Immer hielt ſie wieder ein anderer mit einer Frage auf. Auf dem Schloſſe droben war mittlerweile der Zuſammen⸗ lauf auf dem Kornmarkte ſchon bemerkt worden, und ſchnell wurden einige Soldaten von der Schloßwache abgeſchickt, um zuzuſehen, was es da unten gebe. Zum Glücke war Clignet mit ſeinen Begleitern bereits auf dem Wege nach der Neckarbrücke. Ein etwas längerer Aufenthalt hätte ihnen ſicherlich eine große Verlegenheit bereitet. Unangefochten kamen ſie nach Schönau zurück.
Man kann ſich denken, welche laute Wehklage ſich im erſten Augenblicke in dem ſtillen Thale erhob, als ſich die Nachricht verbreitete, daß auch der letzte Schritt vergeblich geweſen, daß alle Hoffnung fehlgeſchlagen ſei. Clignet ſuchte allenthalben zu tröſten und aufzurichten, obwohl ihm ſelbſt das Herz blutete. Noch einmal ſtellte er der verſammel⸗ ten Gemeinde vor, daß es doch vielleicht beſſer für ſie wäre, wenn ſie ihn vorderſamſt allein ziehen ließe und ruhig das äußerſte erwarte. Niemand wollte davon etwas hören.
Der nächſte Morgen ſchon beſtärkte die Gemeinde in ihrem gefaßten und feſtgehaltenen Entſchluß. Es erſchien nämlich abermals ein kurfürſtlicher Befehl, welcher beſagte, es ſei der unabänderliche Wille des Landesherrn, daß Clig⸗ net binnen der anberaumten Zeit von drei Wochen das Land


