Teil eines Werkes 
1 (1859) Armand
Entstehung
Einzelbild herunterladen

258

Nun ja! Oder iſt es ſo undenkbar, daß eine Kamerjungfer einen Herzog liebt?

Ihre Kammerjungfer ſollte den Herzog von Beaudreuil lieben?... Und ſie beweiſt dieſe Liebe dadurch, daß ſie ſeine Handſchrift verfälſcht?

Sie wiſſen alſo nicht, daß die glühendſte Liebe, wenn ſie ſich verrathen ſieht, zum glühendſten Haß wird?... Doch ich vergaß, daß Sie noch ein Kind ſind und die Welt nicht kennen!

Möglich! Aber ich bitte Sie, nicht zu ver⸗ geſſen, daß ich nicht die Leichtgläubigkeit eines Kindes beſitze! Ja, es iſt ſogar mein Vorſatz, alle Andern aufzuklären, die vielleicht eben ſo leichtgläubig ſind, wie Sie mich vermuthen!

Ein heftiger Blick ſchoß aus den ſchwarzen Augen der Marquiſe. Armand begegnete demſelben mit einem trotzigen Lächeln.

Sie glauben mir alſo nicht? fragte ſie mit der vorigen Kälte.

Nein!

Die Marquiſe ergriff die auf dem Tiſche ſtehende goldene Schelle. Deniſe, bleich und zitternd, trat ein.

Deniſe, ſagte ſie, nachdem ſie lange das er⸗ ſchreckte Mädchen betrachtet; es handelt ſich ſchon wieder um das Billet, das bereits ſo viel Unheil angerichtet.