Druckschrift 
Die Gefahren der Wildniß : eine Erzählung für die reifere Jugend / nach d. Engl. des Dr. Bird bearb. von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

218

herbeizuholen. Er traf auf die Abtheilung Bruce's, und ſein Aus⸗ ſehen, ſo wie ſeine indianiſche Tracht und Malerei erregte allge⸗ meines Aufſehen und Erſtaunen. Der Mann kam ſowohl dem Oberſten, wie ſeinen Kriegern ganz verändert vor. Der Skalp⸗ bündel, den er in ſeiner Hand hielt, und jener noch von Blut rauchende, der an ſeinem Gürtel hing, ſo wie die Axt Wenonga's, blutig bis zum Heft, und von einer nicht minder blutbefleckten Fauſt gehalten, waren kaum merkwürdigere Zeichen ſeiner Ver⸗ wandlung, als jene, welche ſich in ſeinem Antlitz, ſeinem ganzen Betragen, und in allen ſeinen Ausdrücken kund gaben. Sein Auge leuchtete in wilder Aufregung, und ſtrahlte von Triumph, gemiſcht mit Wuth; ſein Schritt war ſtolz, behend, feſt und elaſtiſch, gleich dem eines Kriegers, der den Reigen des Waffentanzes tritt, und wenn er ſprach, hauchten ſeine Worte Kampf und Blutvergießen. Er ſchwang die Streitaxt Wenonga's, deutete grimmig nach dem Dorfe, und forderte die Krieger auf, ihm eiligſt dahin zu folgen.

Als der Marſch nach kurzer Berathſchlagung beſchloſſen und angetreten wurde, führte er die Truppen mit einer Schnelligkeit und Sicherheit, welche ſeine Vertrautheit mit allen Zugängen des Dorfes bewies; und während des nun beginnenden Kampfes voll⸗ brachte er Heldenthaten, die Alle, welche ihn ſahen, mit Erſtaunen und Bewunderung erfüllten.

Erſt als der Rückzug aus dem Dorfe angetreten wurde, fiel Nathan wieder in den früheren Zuſtand zurück, welchen er gewöhn⸗ lich zu zeigen pflegte. Das kriegeriſche Feuer blitzte nicht mehr aus ſeinen Augen, ſein Schritt verlor die Elaſticität der Kühnheit und Zuverſicht, und er ſah die Männer, welche ihn mit Worten der Bewunderung und des Lobes überhäuften, voll Unruhe, Ver⸗ legenheit und Entſetzen an. Er beſchäftigte ſich, um ſeine Gefühle zu verbergen, oder um die Aufmerkſamkeit der Uebrigen von ſich abzulenken, mit ſeinem Hunde, dem kleinen Peter; aber auch der kleine Peter vermochte die Lobſprüche nicht von ihm abzuwenden, mit denen alle Krieger ihn fortwährend überhäuften.

In dieſer Verlegenheit erblickte er den jungen Virginier, wel⸗ cher neben ſeiner Schweſter im Walde dahin ritt, und eilte auf ihn zu, um ihm das Daſein des Teſtamentes anzuzeigen, von welchem er, wie wir wiſſen, Kunde erhalten hatte. Er wußte nicht, daß dieſes wichtige Dokument mittlerweile in Rolands Hand gefallen war, der ihn mit Freude ſtrahlenden Blicken empfing.

Nathan, ſagte er, indem er dem jetzt wieder ganz demüthi⸗

,