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Die Gefahren der Wildniß : eine Erzählung für die reifere Jugend / nach d. Engl. des Dr. Bird bearb. von Franz Hoffmann
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Wir wollen nur eine kurze Zeit unſeren Spaß mit den Beiden

haben. Und wer iſt der blutige Nathan eigentlich, und warum hat

man ihm einen ſo ſeltſamen Namen gegeben?

Aus Spott und Verachtung, ſagte der Oberſt,weil er der einzige Mann in ganz Kentucky iſt, der nicht fechten will. Er iſt ein Quäcker aus Pennſylvanien, und nur der Himmel weiß, wo⸗ durch er hierher nach Kentucky verſchlagen ſein mag. Einige Leute behaupten, er ſei ein Schurke und Spitzbube; da er aber hier zu Lande noch niemals etwas Unrechtes that, ſo bezweifte ich das. Noch Andere ſagen, er ſei im Kopfe nicht ſo recht richtig, und dieß könnte wohl der Fall ſein, da er nirgends Ruhe findet, un⸗ aufhörlich im Lande umherſtreift, und bald hier, bald dort dem Wilde um der Felle willen nachſtellt. Manche nennen ihn darum auch den wandernden Nathan. Vor den Indianern ſcheint er keine große Furcht zu haben, wahrſcheinlich, weil es allgemein heißt, daß die Wilden- nicht leicht den pennſylvaniſchen Quäckern etwas zu Leide thun. Auch macht er ſich bisweilen nützlich, indem er oft Indianerſpuren findet, wo kein Menſch dergleichen erwartet hätte. Da kommt er denn und meldet es; nicht, um zum Kampfe aufzu⸗ fordern, ſondern um Blutvergießen zu vermeiden. So kam er auch einmal vor etwa drei Jahren zu mir und ſagte, nicht etwa:Freund Thomas, an der untern Furth des Salzfluſſes liegen zwanzig In⸗ dianer, die Ihr fangen könnt, ſondern er ſprach ganz ernſthaft: Freund Thomas, wahrlich, du mußt deine Leute fern halten von der unteren Furth, denn dort haben ſich Indianer verſteckt, die ih⸗ nen leicht Böſes zufügen können. Und nachher ſchlich er heimlich davon, während ich, wie ſich von ſelbſt verſteht, mit fünfundzwan⸗ zig jungen Leuten aufbrach und die blutdürſtigen Schurken tödtete oder in die Flucht trieb. Es iſt dem wandernden Nathan zuwei⸗ len nicht zum Beſten bei uns gegangen, weil wir alle ärgerlich darüber ſind, daß er ſo gar keine Kampfluſt zeigt und nie eine von dieſen mörderiſchen Rothhäuten tödten will. Einſt nahm ich ihm ſogar im Aerger ſeine Flinte weg, weil er bei der ausgeſchrie⸗ benen Muſterung nicht erſchien. Aber der arme Kerl dauerte mich dann doch, denn ſeine Hütte war leer von Wild und Korn und er hatte kein Gewehr, um einen Hirſch im Dickicht zu ſchießen. Da gab ich ihm denn die Büchſe wieder, und ſagte ihm, er ſoll in Gottes Namen Federvieh damit erlegen, wie es einmal ſeine jäm⸗ merliche Weiſe ſei.

Gefahren der Wildniß⸗ 2