Teil eines Werkes 
2. Bd. (1821)
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moderndeu Leichen bedeckt ſind; und wenn man die Dunſt⸗ und Truggeſtalten meines Thea⸗ ters nur nicht zu feindlich anhaucht, nur nicht zu ſtark beleuchtet mit dem Lichte des kalten Verſtandes, ſo iſt es wohl moͤgllch, daß ſie durch ihr Spiel jene Taäuſchung hervorbringen, welche ich in Beziehung auf die Unterhaltung meiner Le⸗ ſer beabſichtigte, und ſo haͤtte ich denn das Nütz⸗ liche mit dem Angenehmen vermiſcht, welches der Zweck jedes guten Schriftſtellers ſeyn ſoll.

Was nun der Weihrauch betrifft, nach wel⸗ chen doch immer auch der beſcheidenſte Schriftſtel⸗ ler ſtrebt, ſo muß ich geſtehen, daß es mir weit ſchmeichelhafter ſeyn wuͤrde, auf das orientaliſche Diadem der Tauſend und einen Nacht An⸗ ſpruch machen zu koͤnnen, als mit dem bleier⸗ nen Scepter zu herrſchen, welches die Verfaſſer unſerer beliebten Melodramen fuͤhren. Meine kleine Eitelkeit wuͤrde ſchon wollkommen befriedi⸗ get ſeyn, wenn meine Schatten mit der bluti⸗ gen None*) Hand in Hand gingen; weil aber dieſe Hoffnung meinen ſchwachen Talenten ver⸗ verſagt iſt, maßen ſchon viel phantaſtiſche Träu⸗ mer ihre dicke aufgeſchwollene Begeiſterung aus den Conſtellationen der naͤchtlichen Geſtirne her⸗

*) Die None,(9te Stunde) iſt das letzte von den kleinen kurzen Stundengebeten der Katho⸗ liken. Es wird hier auf eine mir unbekannte Erzaͤhlung unter dieſem Titel angeſpielt.

Anmerk. d. Ueberſ.