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dult haben, indem ſelne Lage von einem Tage zum andern beſſer werden konnte, er verſchwen⸗ dete Liebkoſungen und Thraͤnen.— Das arme Maͤdchen war beinahe uͤberzeugt.— Nun trat der ſchlaue Boſewicht naͤher, er faßte das argloſe Opfer ſeiner noch ungeſaͤttigten Begierden in ſeine Arme, und glaubte ſchon ihre Sinnen gereizt zu haben, da er nur ihr Herz ſchmerzhaft geruhrt hatte.— So ſorgfaͤltig er aber die Farben waͤhl⸗ te, mit denen er den Plan zu einem frohen Le⸗ ben mahlte, bis daß das Schickſal ihm, wie er ſagte, ſeine goldnen Ketten abnehmen wuͤrde, ſo ſah ſie doch endlich die ganze Niedertraͤchtigkeit des Betrugers ein— ſie riß ſich gewaltſam von ihm los, indem ſie im Tone des hoͤchſten Abſcheu's rief— o Boͤſewicht! ſchaͤndlicher Boͤſewicht!— Nun legte Eberhorſt die Masque vollig ab, und erklaͤrte, daß ſie in ſeiner Gewalt ſey, mithin alle Hofnung zur Befreyung aufgeben muͤſſe, und er ſchon Mittel in Haͤnden hätte, ſie zahmer zu ma⸗ cher— er gieng, und ſchlug helllachend die Thuͤre hinter ſich zu.— Ich wuͤrde Deine Ge⸗ dult ermuͤden, wenn ich Dir alle die Mißhand⸗ lungen umſtaͤndlich erzaͤhlen wollte, denen das arme Maͤdchen von dem Augenblick an ausgeſezt wurde.— Der Unmenſch gieng ſo weit, daß er endlich durch den Hunger zu erzwingen ſuchte, was er ſelbſt durch Gewalt nicht hatte erhalten koͤnnen.— Sie hielt ihre Befreyung fuͤr unmoͤg⸗ lich, und hatte ſich zu dem fͤrchterlichen Hunger⸗


