Teil eines Werkes 
2. Bändchen (1803)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4 3 3 nen Groll in ihrem Herzen zuruck gelaſſen, der ſich ganz ſichtbar auf ihrem Geſichte leſen ließ.

Die Urſache dieſer abſchlaͤgigen Antwort war, ch muß es geſtehen, ziemlich aus der Luft gegriffen; aber Wilhelmine hatte auch bereits die Sache zu

weit getrieben, ich konnte ſchon nicht mehr mit guter Art einlenken. Eine ſchnelle Entfernung war daher alles, was mir noch uͤbrig blieb. Nun gieng elu Tag nach dem andern vor⸗ uͤber, ohne daß es zu einer Erklaͤrung kam; ich merkte ganz deutlich, daß ſie von mir den erſten Schritt erwartete, dies lief aber meinem einmal gefaßten Plan ſchnurſtracks entgegen; ich begnuͤgte mich daher, ſtets gleichmuͤthig und heiter zu ſeyn, obgleich ihre taͤglich wachſende 4 Erbitternng, die ſich durch Blicke, hingeworfene Aeußerungen, und endlich durch die Heftigkeit, mit der ſie alles that und ſagte, ganz deutlich verrieth, mich nicht wenig beunruhigte. An⸗ fangs traf ich ſie immer zu Hauſe an, bald. ſeltener, endlich gar nicht mehr; ſie ſchien mich 5 zu vermeiden, ſelbſt im Schauſpielhauſe fand ich dfters mein gewoͤhnliches Plaͤzchen beſezt.. Jezt, lieber Raßdorf! wurde mir ernſtlich bange ich kenne Wilhelminens treflichen Karakter, aber auch ihre Heftigkeit; dieſe konnte ſie zu den ſeltſam⸗ ſteu Schritten gar leichte verleiten znun lenkte ich eir, und ließ keine Gelegenheit voruͤber, wo ich durch Anſpielungen, und treffende Bemerkungen Anlaß 5