Teil eines Werkes 
1. Bändchen (1803)
Entstehung
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TLT

Wilhelmin e.(berraſcht) Sie! un⸗ gluͤcklich? o meln Gott!

Jezt ſanden ſie vor der Einſiedeley; Adolph

ſchloß auf, und dͤfnete ein Fenſter, das nach der Landſtraße gieng. Eine ſchoͤne freye Ausſicht in die reiche Ebene, wo die ſtolze Reſidenz mit allen ihren Thuͤrmen und Pallaͤſten an den Ufern des Fluſſes ſich erhob Weinberge mit Kaſta⸗ nienbaͤumen begraͤnzt, und eine Gebuͤrgkette, die ſtufenweiſe bis uͤber die Wolken ſich erhob, ſchloſ⸗ ſen die Ausſicht.

Adolph.(mit untergeſchlagenen Armen in⸗ dem ſein ernſter Blick auf die Reſidenz gerichtet iſt)

Dort liegt der goldene Kerker, in dem einſt der arme Adolph ſein Leben vertaͤndeln, verſchwen⸗ den, vertrauern ſoll. Seine Geburt war ein Irrthum der Natur, denn er beſitzt keine von den Leidenſchaften, deren Befriedigung eine Kro⸗ ue lelchter zu tragen macht ſelne Kinderjahre ſind gewiß die glucklichſten ſeines ganzen Lebens⸗ laufs geweſen, denn von dem Angenblick an, wo ſein Herz anfieng zu empfinden, und ſeine Vernunft zu beurtheilen, lebte Herz und Vernunft in ewigem Streit mit einander, und wurden ſie zuweilen einig, ſo ſtand beiden zugleich die lei⸗ dige Convenienz im Wege. Ich liebe das ſtille einfache Leben, und werde unaufhoͤrlich in den

glaͤnzenden betaͤubenden Wirbel einer lebloſen Exi⸗