20
ihm die Treppe hinunter— jetzt werden ſie wohl auf der Promenade ſeyn; nun liebes Minchen, da du alles weißt, bitte ich dich, laß Joli ſat⸗ teln— ſieh! wir reiten Carriere die große Allee
hlnauf— an ihr vorbey— und ich— ich neh⸗
me nicht einmal den Huth ab. Das nenne ich Rache ausuͤben! ſagte Wilhelmine, und ſchon wollte ſie ihre abſchlaͤgliche Antwort wiederho⸗ len, als ihr plotzlich einfiel, daß auch Wahlberg zu der Stunde dfters dahin ſpazieren gieng— nun wurde Joli in aller Eile geſattelt— fie flo⸗ hen die Straße hinunter, uͤber die Bruͤcke, dann links durch die Linden⸗Allee— auf einer Bank am Kanal, der dieſen reitzenden Spatzlergang in zwey Theile theilt, hatte Guſtav ſein Malchen mit dem verhaßten Hofrath ſchon erblickt; auch Wilhel⸗
mine(denn nichts iſt blinder und hellſehender als die Liebe) ſah Wahlberg aus dem Gebuͤſch hervor treten— Malchen winkte ihm, und er kam naͤ⸗
her.— Als ſie an der Gruppe vorbey eilten, ſieng Wilhelmine hell auf zu lachen an und Gu⸗ ſtav, ohne recht zu wiſſen warum, lachte ſo kraͤf⸗ tig mit, daß er ſich an den Sattelknopf halten mußte; kaum hatten ſie aber um den Kanal ge⸗ bogen, ſo klagte ſie uͤber heftige Kopfſchmerzen, vergebens gab ihr der ausgelaſſene Guſtav die be⸗ ſten Worte, um noch ein Da Capo zu machen, ſie war nicht zu bereden— ſie ritten wieder lang⸗ ſam nach Hauſe— Wilhelmine fuͤhlte nun, daß


