Teil eines Werkes 
1. Bd. (1870)
Entstehung
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Waren die alten, längſt geſtorbenen Küſter aus ihren Gräbern geſchüttelt worden von der zürnenden Mutter Erde und zogen Geſpenſter an den Glocken⸗ ſträngen?

Wer Gemüth hat, ſei er nun gläubig oder nicht, wird nicht leugnen, daß der Klang der Glocken etwas Erhebendes hat, rufe er zum Dienſte des Herrn, oder klinge er zum Freuden⸗ oder zum Trauerfeſte.

Nichts von alledem aber ſangen die Glocken in der menſchenleeren Stadt.

Bisweilen klangen einzelne Töne herüber zu den angſtvoll Horchenden, klagende, wimmernde Klänge, faſt wie bei Feuersnoth und Sturm.

Dann folgten ſich andere, unregelmäßig, heftig und dann plötzlich verſtummend.

Und da man wohl ſchon dort im Lande den Donner grollen gehört hatte in den Tiefen der Erde, nie aber ſolch geſpenſtiges, unheimliches Glockenläuten, ſo horch⸗ ten anfänglich aller Ohren den grauſigen Tönen.

Endlich aber ergründete man die Urſache.

Es waren die noch nicht zuſammengeſtürzten Thürme, welche, ſchwankend unter dem Schütteln der Erde, ihre eigenen Glocken läuteten.

Konnte man es den Menſchen verargen, die in dieſer Nacht nie Geſehenes und Gehörtes erfuhren,