Salvator. 289
das Blut aus einer Kopfwunde, da ſtürzte die Alte, von ihm niedergeworfen, hart auf die ſcharfe, eiſenbeſchlagene Kante des Kaſtens und wehrte ſich nicht mehr— er entriß ihr die Pa⸗ piere, ſie lag bewußtlos. Todtenſtille— nur vor dem Hauſe heulte der fremde Hund.
Schaudernd ſprang Schrader auf, die Lampe hell zu ma⸗ chen, ſie erloſch unter ſeinen zitternden Händen, er rief nach ſeinem Weibe, keine Antwort! Eine ſchreckliche Minute ver⸗ ging, ehe er wieder Licht ſchaffen konnte, dann aber bebte er vor dem Anblick zurück, der ſich ihm bot: die Greiſin lag mit gebrochenen Augen, ihr Antlitz ſpitz und ſtarr, war mit jener entſetzlichen Farbe bedeckt, die Keiner vergißt, der ſie jemals
geſehen hat. Auf ſeine Kniee ſtürzte verzweifelnd der Mörder
— die Hand des Herrn hatte ihn gefunden.
Im Hauſe war Niemand. Der Bauer mit den Seinen war in der Stadt zum Jahrmarkt, das hatte die Alte gewußt und ihre Enkelin liſtig wieder auf das Schloß gelockt, um un⸗ geſtört endlich ihren längſt ausgebrüteten Plan in's Werk zu ſetzen, ſie hatten den Ort erſpäht, wo Schrader die Schlüſſel verſteckt hielt, es galt, ihm ſeinen Raub wiedetum zu entwen⸗ den, den wollte ſie dann lieber in den See werfen, wenn es nicht möglich wäre, ihrem Baron Adolar, der ihn ja nur durch ihre Schuld verloren hatte, das Seinige zuzuſtellen. An dieſer fixen Idee, die zur That geworden, war 6 nun zu Grunde gegangen.
Rath und Hülfe! Was ſollte der unſelige beginnen?
Allein konnte er hier keinen Weg finden, im ganzen Dorfe, wem konnte er ſich anvertrauen? Es litt ihn hier nicht länger,
er ſtürzte hinaus, ſein Hirn rang wieder mit dem furchtbaren Salvator. II. 19


