Teil eines Werkes 
2. Bd. (1851)
Entstehung
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280 Salvator.

ſamkeit, die uns mit Gewiſſenszwang bedroht, uns lebendig begraben will?

Meine Mutter, das Wort Gottes kennt keinen Zwang, als den die Liebe in freier Wahl ſich ſelbſt auferlegt. O möch⸗ ten nur diejenigen, die unſer Thun mit jenen Vorwürfen ver⸗ dächtigen, daſſelbe eines vorurtheilsfreien Blickes würdigen! Die Liebesgaben für das leibliche Elend geſtatten ſie uns wohl dem ſittlichen ſollen wir nicht ſteuern, wo doch, ſo wahr jene Sonne am Firmament ſteht, nur Ein Weg zum Heile führt, die Rückkehr zum alten Glauben, der nicht Men⸗ ſchenſatzung, noch fanatiſcher Götzendienſt, ſondern ſo ein⸗ fach iſt, daß Kinder ihn faſſen, der die Freude nicht ausſtößt aus Gottes reiner Erde, ſondern ſie nur läutert und weiht, der Glaube, der uns allein in Trübſal ſtärkt und ruhig ſterben läßt. O meine geliebte Mutter, möchteſt Du doch erkennen, welche Kraft in dieſem Glauben liegt!

Sie war von der Ueberzeugung in ſeiner Rede ergriffen, ſein Auge ſprühte nicht von dem Brande des zelotiſchen Eifers, noch ſtarrte es verglaſt von unheimlichem Fanatismus, ſon dern er ſchaute ſie klar und wehmüthig an und ſie konnte den Blick ſeiner innigen Liebe nicht ertragen; es regte ſich in ihr ein ſeltſames und unverſtandenes Gefühl; war es die Trauer um ein verlornes Paradies? Er führte das Geſpräch nicht weiter fort, denn was er ihr noch ſagen konnte, übervoll, wie ſein Herz war, es mußte ſie ja betrüben, und er liebte ſie doch ſo zärtlich, vielleicht ſchmerzlicher, weil ſie nicht vorwurfsfrei, weil ſie unglücklich war! O hätte er wieder, wie in ſeiner Knabenzeit, wo ſie ihn wie eine Mutter gehegt hatte, mit ihr vereint leben können! Jetzt hätte er ihr die treue Sorge ver⸗