Salvator.
durch die geſchmackvoll angelegten Blumenpartien. Sie blickte nach den grünen Blättern, die kaum ihre braune Knoſpen⸗ hülle geſprengt hatten, und nun ſteif und gläſern ſtarrten, um bald, wenn die Sonne ſie erſt traf, zu welken, ſie bückte ſich nach den Sträuchern, welche ſo reich zu blühen verſprochen, nach den Aurikelbeeten, wo die gepuderten Knoſpenbüſchel ſchon die Köpfe neigten. Hoffnungen, wie andere! Der Lauf der Jahre tödtet an Hoffnungen ſo viel— willſt Du um ein ein Paar kleine Blüthen klagen, einſames Kind? Sie richtete ſich auf, ein Lächeln trat auf ihr ernſtes Geſicht, es war ein ſtolzes, ſieghaftes Lächeln.
An der Umfaſſungsmauer des Gartens lag ein Belvedere, zwei Stockwerke hoch gemauert, ein zierlicher Bau von orientali⸗ ſchem Geſchmack. Dort bot ſich eine freundliche Ausſicht über die nächſten Umgebungen und auf das blaue Gebirge, von welchem ſich in der Richtung der weißen Chauſſee zwiſchen zwei Weinhügeln ein Abſchnitt im Duft der Ferne zeigte. Das Mädchen erſtieg das obere Zimmer, öffnete die Jalouſien und blickte weit hinaus, nicht in ſüdlicher Richtung, wo die romantiſchen Berge ſich er⸗ hoben, ſondern gen Norden, als ſei ihr Auge von dort mag—⸗ netiſch angezogen. Und hier ſetzte ſie ſich auf den Seſſel, der am Fenſter ſtand, zog den Brief hervor, um den ſie die Ruhe der Nacht verloren hatte, und fing an, ihn von Neuem zu leſen.
Er war von ihrem Bruder. Oft ſchrieb er nicht in die Ferne, wo ſeine Mutter und Schweſter, nachdem die Heimath ihnen verleidet worden, ſich niedergelaſſen hatten, aber wenn ein Brief von ihm kam, war er ſtets inhaltſchwer. So mel⸗ dete er heut wieder viel, was vom höchſten Intereſſe für die


