Salvator. 307
die mündliche Meldung von einem zweiten Beſuche, der ihm zugedacht geweſen war: des Adjunct Schrader. Lange noch blieb er auf und ſtrebte, in dem feſten Entſchluſſe, den er ge⸗ faßt hatte, alle Widerſprüche zu beſchwichtigen. Ihm winkte das reichſte Glück in dem Beſitze der Frau, welche ſeine einzige wahre Liebe geweſen— was gab er dagegen auf? Ein unge⸗ liebtes Weib, das ſich im zunehmenden Alter immer läſtiger mit ſchreckhaft wachſender Zärtlichkeit an ihn klammerte, und — freilich auch ſeine Kinder! Aber Laura ſtand längſt, wie ein kalter, fremder Geiſt, fern von ihm und den Sohn hatte er ſelbſt von ſich abgewandt, gleichviel wie! So wollte er denn nicht weiter rückwärts ſchauen, ſondern in die Zukunft, die ihm alle unerfüllten und oft auch unverſtandenen Wünſche ſeines Lebens befriedigen ſollte!
Der Morgen kam. Es hatte ſich doch ein Teſtament des verſtorbenen Landſtallmeiſters von Arnefeld vorgefunden, ein vollgültiges, an gerichtlicher Stelle niedergelegtes Document, welches als Duplicat bezeichnet war. Das eigentliche Origi⸗ nal, welches ſonach vorhanden ſein mußte, hatte nicht aufge⸗ funden werden können, vielleicht lag es noch in irgend einem geheimen Fache, vielleicht— äußerte heimlich ein Gerichtsrath zu ſeinem Collegen— war es beſeitigt worden. Wie dem auch ſein mochte, ein Teſtament war vorhanden und ſeine Eröffnung ſetzte ſogar das an Wunderlichkeiten gewöhnte Kammergericht in Erſtaunen. Das ganze Vermögen des Erblaſſers war ſei⸗ nem Sohne entzogen, ſelbſt der Pflichttheil. Für den Fall, daß der Sohn das Teſtament anfechten wolle, war ein verſiegeltes Document, das den geſetzlich gültigen Grund der Enterbung enthielt, angefügt und in den Willen des Sohnes geſtellt, ob
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