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Virginia nahm von ihrem Bruder, den ſie vielleicht nicht wiederſehen ſollte, einen ſchmerzlich bewegten Ab⸗ ſchied.„Laß mich bald hören“, ſagte ſie,„daß Du ein wahres Glück für Dein Herz, eine liebende Braut gefunden haſt.“
„Ich habe eine ſolche!“ erwiderte er ernſt, mit einem ſtolzen Aufblick.„Eine hehre, ſtrenge Braut; ob ich ſie erringen oder für ſie ſterben werde, wer mag das wiſſen!“ Seine dunklen Worte zu erläutern war nicht mehr Zeit, er drückte Virginia noch einmal an das Herz und blickte der Gondel nach, ſoweit er ſie noch verfolgen konnte; das letzte Wehen des weißen Tuches ſeiner Schweſter erwiderte er mit dem ſeinigen und kehrte dann einſam und gedankenvoll nach der Stadt zurück.
In Neapel wandte ſich, nachdem König Murat's Ende die letzten Beſorgniſſe vor einer neuen Erſchütte⸗ rung der wieder aufgerichteten Herrſchaft zerſtreut hatte, allmälig Alles den frühern Zuſtänden zu. Was die Zwiſchenzeit unter fremder Gewalt geſchaffen hatte, wurde beſeitigt, mochte es auch an ſich gut und wohlthätig ſein. Bald fing es wieder an im Volke zu gähren; die Car⸗ bonari waren eifrig bemüht, das Feuer der Unzufrieden⸗ heit zu ſchüren und am Umſturze zu arbeiten, vor der Hand zu ihrem eigenen Verderben. Wenige Jahre nur,


