Glut emporgeflammt, als er bald nach ſeiner Befreiung Virginia vergebens geſucht und dafür den Tod ihres Ge⸗ mahls vernommen hatte. Seitdem war nur ein Gedanke in ihm mächtig geweſen und hatte täglich ſeine Einſam⸗ keit belebt; alle Bilder der ſchönen Stunden, die er in Virginia's Nähe verlebt, jeder Blick, den ſie ihm ge⸗ ſchenkt, jedes Wort, das er von ihrem Munde gehört hatte, beſonders die unvergeßlichen letzten Tage, wo er mit ihr vereint geweſen war, lebten in ſeiner Seele in friſcher Erinnerung— und ſie war nun frei! Wohin aber hatte ſie ſich vor der feindlichen Welt gerettet? Bei ihrem Vater weilte ſie nicht; das ſchöne Beſitzthum, welches König Murat ihrem Manne geſchenkt hatte, war wie alle Dotationen der fremden Offiziere von der wie⸗ derhergeſtellten Regierung eingezogen worden; Alexander hatte ſelbſt auf den entlegenern Gütern des Fürſten Het⸗ tore, von denen ſie ihm erzählt, Nachforſchungen anſtellen laſſen, im Zwieſpalt mit ſeinem Bewußtſein, daß er kein Recht dazu habe; ihren ehemaligen Gondolier hatte er
zu gewinnen verſucht, daß dieſer ihm helfe; er war bei
ihrem Bruder geweſen, als dieſer nach kurzer Verban⸗ nung zurückgekehrt war; Alles umſonſt! Mit Bangigkeit gedachte er einiger traurigen Worte, welche Virginia einſt gegen ihn in einer trüben Stimmung hatte fallen laſſen, und das Bild eines Felſenkloſters ſchwebte ihm
Bernd von Guſeck, König Murat's Ende. IMI. 15


