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„Wer auch die giftige Schlange ausgeſetzt hat“, erwiderte Camillo,„ſein Zweck iſt nur zu gut erreicht worden.“
„Glauben Sie?“ entgegnete Emilio, und ſein Ton klang faſt wie ein bitterer Zweifel.„Wer kann immer die Abſichten alles Thuns und Laſſens durchſchauen? Wendet der Arzt nicht Meſſer und Höllenſtein zu wohl⸗ thätigen Zwecken an?“
„Setzen Sie ſich“, ſagte Camillo. Der Vetter nahm Platz, holte tief Athem und fragte, ob er bereits von Allem unterrichtet ſei, was ſich während ſeiner Abwe⸗ ſenheit zugetragen habe.„Ich meine natürlich nur, was uns angeht“, ſetzte er hinzu.
„Ich habe es gehört, halte aber mein Urtheil vor mir ſelbſt zurück, bis ich den nähern Zuſammenhang kenne“, erwiderte Camillo.„Wer kann, wie Sie mit Recht ſagen, die Abſichten alles Thuns und Laſſens durchſchauen?“
„O, hier iſt es doch nicht ſo ſchwer!“ rief Emilio. „Die Sache war zu ſehr auf die Spitze getrieben, ein längeres Abwarten war nicht möglich, der heroiſche Entſchluß, Alles über ſich ergehen zu laſſen, nicht aus⸗ führbar. Es gab freilich noch einen beſſern Ausweg, als den ſie ergriffen hat; es wurde ihr eine Rettungs⸗ hand geboten—“


