Teil eines Werkes 
2. Bd. (1865)
Entstehung
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Es mochten Thränen des Unwillens ſein, aber es waren doch immer Thränen, und ſie ſtrebte dieſe Zeugen der Schwäche zu verbergen. Der König dagegen ging mit gerunzelter Stirn im Zimmer umher; ſeine Augenbrauen waren zuſammengezogen, ſeine lebhaften Augen blitzten unruhig von Zeit zu Zeit die Königin an und ſein männlich ausdrucksvolles Antlitz war dunkel geröthet von dem ſtarken krauſen Backenbarte bis zur Stirn hinauf, über deren Mitte eine der Locken ſeines Raben⸗ haares herabfiel. Joachim Murat ſtand im kräftigſten Mannesalter; er hatte die Mitte der Vierziger noch nicht erreicht, und ſeine imponirende Erſcheinung, welche die Krieger im Felde und die Herzen der Frauen beſtach, konnte wahrhaft königlich genannt werden. Als er mit ſteigender Ungeduld eine Weile gewartet hatte, wurde ihm das Schweigen läſtig; er blieb neben der Königin ſtehen und fragte:Willſt Du mich jetzt ruhig anhören, Karoline?

Ja, Sire, erwiderte ſie mit gemeſſenem Tone, wenn Sie nicht vergeſſen, daß ich die Schweſter des Kaiſers bin.

Hinweg mit der Förmlichkeit! Soll ich Dich ebenfalls Majeſtät nennen? Wir ſitzen hier nicht auf dem Throne, umgeben von Miniſtern und Generalen, wir ſprechen uns aus wie Mann und Frau. Ich weiß,