12
macht des Kaiſers befand ſich ſchon dieſſeits der Mulde
und konnte heute bis Lommatzſch oder gar noch näher rücken. Jetzt mußte die Hoffnung, welche den Kurfür⸗ ſten bis jetzt noch bei Meißen feſtgehalten hatte, die Hoffnung auf einen ſtarken böhmiſchen Zuzug, wo mög⸗ lich auf eine Erhebung des ganzen böhmiſchen Volks gegen das Haus Habsburg, aufgegeben werden. Zu ſpät entſchloß ſich Johann Friedrich, den Rath, den ihm der Landgraf von Heſſen ertheilt, den ſeine Kriegs⸗ oberſten, ſelbſt der kühnſte derſelben, Herzog Ernſt von Braunſchweig⸗Grubenhagen, lebhaft unterſtützt hatte, zu befolgen. Er ging endlich auf das rechte Elbufer, ließ die Brücke bei Meißen hinter ſeinem letzten Heerhaufen abbrennen, die Fähren verſenken und trat nun den Marſch auf ſeine ſtark befeſtigte Hauptſtadt Wittenberg an. Zu ſpät und zu langſam!
Der Kaiſer war ſchon mit ſeinem Heere bis auf drei Meilen von Meißen gekommen. Er hatte das Oſterfeſt noch in Eger zugebracht, in der treukatholi⸗ ſchen Stadt, welche, von Utraquiſten in Böhmen um⸗ geben, an der Grenze des proteſtantiſchen Franken und Sachſen, ihren Glauben feſtgehalten und innerhalb ihrer ſtarken Mauern vertheidigt hatte. Am dreizehnten April war Kaiſer Karl dann aufgebrochen, des Weges, wo jetzt durch das Bergland hinüber in das Elſterthal die


