Teil eines Werkes 
2. Bd. (1868)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

reichs aus und ernannten einen Oberfeldhauptmann über ihre Kriegsmacht: Kaspar Pflug von Rabenſtein, der auch ſofort gegen das Gebirge rückte, um ſich mit den Sachſen in Verbindung zu ſetzen. Ohnmächtig mußte König Ferdinand dieſer offenen Widerſetzlichkeit zuſehen. Er konnte nichts thun, ſie zu unterdrücken, denn die Mährer, die Schleſier, auf die er gerechnet hatte, waren ſäumig, der Kaiſer noch fern.

Aber der Kurfürſt von Sachſen kehrte mit ſeinem Siege bei Rochlitz zufrieden in die Winterquartiere nach Altenburg zurück, um auf ſeinen Lorbeeren zu ruhen, und ließ nur eine Abtheilung unter Thumbshirn bis Joachimsthal in Böhmen einrücken, zu ſchwach, um hier etwas zu wirken, zu ſtark, wenn der Kurfürſt doch zurückbleiben wollte, denn ſie ſchwächte ihn gegen die wachſende Macht ſeines Gegners. Johann Friedrich war kein Feldherr, er hatte das ja ſelbſt im Schmal⸗ kaldiſchen Lager gegen den Landgrafen und den wackern Schärtlin erklärt; wenn er aber kein Feldherr war, mußte er eigenſinnig auf ſeiner eigenen Meinung beſte⸗ hen, da es ihm doch an gutem Rath unter ſeinen treuen ſächſiſchen Kriegsoberſten nicht fehlte?

Wäre Schärtlin bei ihm geweſen, vielleicht hätte er jetzt eher auf ihn gehört als im verwichenen Herbſte. Aber der Tapfere war zu dieſer Zeit von ſeiner Stadt

——