Ausdruck eines geheimen Wehs— ſo war dies bleiche und liebliche Antlitz, welches dem Geiſtlichen erſchien wie das einer der erſten chriſtlichen Jungfrauen, von denen die Kirchengeſchichte erzählt, daß ſie um ihres Glaubens willen Verfolgung und Tod erlitten.
Er ging den Frauen entgegen.„Das iſt unſere liebe Verwandte Adelheid“, ſagte Frau von Ehrenſtein. Sie hatte Adelheid nicht davon unterrichtet, daß nur ihretwegen der Geiſtliche gebeten worden war, das Haus wieder einmal zu beſuchen, und Adelheid er⸗ widerte ſeinen Gruß unbefangen.
„Wird es aber nicht zu kalt?“ fragte Valentin, der gern baldmöglichſt eine Gelegenheit herbeiführen wollte, ſeinen Freund dem Mädchen zu nähern, damit er ſie beobachte und ihr Vertrauen gewinne, wie er ja ſonſt das Vertrauen aller, die mit ihm in Berührung kamen, oft ſchon beim erſten Worte ſeiner zum Herzen gehen⸗ den Stimme gewann. Der Abend war ſchon weit vorgerückt, Valentin's Erinnerung wurde daher nach einer Weile, welche noch im Freien unter freundlichem Geſpräch zugebracht worden, von Frau von Ehrenſtein wieder aufgenommen und alle verließen den Sitz unter der Linde. Hinter ihnen wurde das Thor der alten Veſte ſogleich geſchloſſen, als lebe man in den Zeiten des Fauſtrechts, und es herrſchte doch tiefer Frieden


