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Anker geworfen hatte, wurde die Ausſchiffung rüſtig betrieben; die Boote, von ſtarken Ruderern geführt, ſetzten zuerſt die vornehmern Herren mit ihrem Ge⸗ folge, welche auf der Galeere gekommen waren, an den Treppen der Piazetta ab, wo ſchon ihre eigenen, ſchwarzverhüllten Gondeln ſie erwarteten, um ſie nach ihren Paläſten am Canal grande zu fahren. Damals prangten dieſe noch in aller Herrlichkeit von außen und innen und das üppigſte Leben pulſirte in ihnen, das nun längſt erſtorben iſt. Mit jenen Nobili war auch ein Fremder gekommen, der nicht ihren ſchwar⸗ zen, ſeidenen Mantel trug, von ihnen aber mit Achtung und Aufmerkſamkeit behandelt wurde, ſo jung er auch noch war. Sie hatten ihm, ehe der Letzte ſich von ihm trennte, noch freund ch Beſcheid gegeben, wohin er ſich wenden ſolle— das war aber nicht nöthig, denn er kannte Venedig bereits und hatte nur einen kurzen Weg zurückzulegen, um ſein Ziel zu erreichen.
Auf der Piazetta, welche ſonſt zu ſo früher Tageszeit faſt menſchenleer iſt, herrſchte jetzt durch die Ausſchiffung, die nun auch Krieger aus den griechiſchen Beſitzungen der Republik die Steinplat⸗ ten des Platzes füllen ließ, ein ſehr bewegtes Leben. Der Fremde ſtand noch eine Weile neben den beiden


