Teil eines Werkes 
1. Bd. (1857)
Entstehung
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kann ſagen, wie mein eigenes Kind, kann ich nicht zuſehen, wie ſie ſich von einem Gefühle mehr und mehr verſtricken läßt, das doch nimmermehr, wie lei⸗ der die Verhältniſſe ſind, zu ihrem Glücke führen kann. Beſſer wäre es freilich geweſen, ich hätte früher eine Ahnung davon gehabt, es iſt mir ſelbſt unbegreiflich, daß ich ſo gar nicht an dieſe Möglichkeit gedacht habe— vielleicht darum nicht, weil mir die Bärbel immer wie mein Kind vorkam und ich beide als Ge⸗ ſchwiſter anſah, bis plötzlich, wie eine Blume im frühſten Lenz, ohne daß man ſie keimen und wach⸗ ſen ſieht, eines Morgens in voller Knoſpe prangt und nur auf den Sonnenſtrahl wartet, um ihren Kelch zu entfalten, die Entdeckung ihrer jungen Liebe mich überraſchte. Noch iſt ſie in der Knoſpe, aber es iſt meine Pflicht, ehe der Sonnenſtrahl ſie völlig erweckt, wie eine Mutter für beide zu handeln.— Du ſchläfſt wohl, Heinrich?“

Da ſie keine Antwort bekam, verſtummte ſie, und tiefes Schweigen, wie es rings um das Schloß und über der Gegend herrſchte, waltete nun auch in den inneren Räumen des alten Baues. Ob deß⸗ halb aber alle Bewohner den friedlichen Schlummer gefunden hatten, ob nicht manches Herz vom aufge⸗ regten Blute noch unruhig pulſirte, war ſehr zweifelhaft.