213
es ihr ſchnell genug wieder ein, was ſie nur im Augenblick des Plauderns vergeſſen hatte. Ringhamer hieß der Groß⸗ vater und der Großmutter ihre Eltern waren die Krap⸗ penflieſer, Schuhmachersleute, am Katzenſteig, geweſen, wo noch das Häuſel dem lahmen Vetter gehöre, der aber ein Schneider ſei und gute Kundſchaft habe. Sie lachte dabei ein wenig und ſah ſchelmiſch aus, der lahme Vetter mochte vielleicht einmal vergeſſen haben, daß ſie im verbotenen Grad mit einander verwandt waren. Lienhard hörte ihr zu und auch ſeine Wange brannte, es war aber aus einem ganz andern Gefühl, und er machte ſich Vorwürfe darüber, daß er es nicht zu bezwingen vermochte. O, hätte ihn der ſelbſtſüchtige Edelmann nie ſeinem heimiſchen Kreiſe ent⸗ riſſen, dann würde er ſich ſeiner Verwandten, ehrbarer und wackerer Bürgersleute, nimmer geſchämt haben, wie jetzt!
Die Großmutter ſchlug von Außen an die Thüre. „Mach' auf, Leni!“ klang ihre helle Stimme. Das Mäd⸗ chen öffnete ſchnell und die alte Frau trug eine dampfende Schüſſel herein.
„Habt Euch nun ſchon ein biſſel angeſchaut, Kinder?“ fragte ſie.„Gelt, Leni, der Martin iſt ein ſchmucker Bube geworden?— Du haſt ſo geweint, als die Mutter heim
kam und brachte Dir das kleine Brüderchen nicht mit, das
die böſen Reiter mit vielen andern Kindern aus dem grü⸗ nen Thal unter Mödling hinweggeführt hatten. Deine


