Teil eines Werkes 
2. Bd. (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

315

mit gebrochener Stimme wieder an;ich werde Beweiſe liefern, daß meine unglückliche Frau ſchon ſeit einiger Zeit nicht mehr bei vollem Verſtande iſt. Herr Mallet, mein Arzt und zugleich Zeuge, wird Ihnen dieſe Thatſache beſtätigen, wenn er der Wahrheit die Ehre ſchenken will.

Herr Mallet, treten Sie gefälligſt näher, ſprach jetzt der Präſident,und ſehen Sie ſelbſt, ob Madame das Verhör auszuhalten im Stande iſt.

Lucie lächelte dem Arzte zu, der die Stufen der Eſtrade ſofort hinanſtieg, und bot ihm, als er in ihrer Nähe war, mit einer vertrauensvollen Geberde die Hand. Im Beſitze eines Geheimniſſes, das ihm ſein Scharfblick verrathen, hätte der Arzt Arthur eher verurtheilen laſſen, als daß er eine Frau zu Grunde gerichtet hätte, der er ſeit langer Zeit mit faſt väterlicher Liebe zugethan war; doch trieb er das ritterliche Raffinement nicht ſo weit, daß er ſie ne ihren Willen rettete, indem er ihr den Mund ſchloß.

Es ſteht das Leben eines Menſchen auf dem Spiel, dachte er bei ſich ſelbſt;liebt ſie ihn bis zu ſolchem Grade, daß ſie ihm ihre Ehre opfert, mit welchem Recht könnte ich ſie dann hindern, es zu thun?

Er erfaßte den Arm der jungen Frau, um ihr den Puls zu fühlen eine im Grunde überflüſſige Förmlichkeit, da ſie ihm nichts ſagte, was er nicht bereits wußte.

Madame hat ein heftiges Fieber, ſprach er inmitten einer Stille, die ſo lautlos war, daß man eine Stecknadel hätte auf den Boden fallen hören; ſeit zwei Monaten iſt das ihr gewöhnlicher Zu⸗