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Ein Hirſch hinein, verletzt von einem Pfeil, 100
Und eine Jägerinn, in ihrer Hand den Bogen,
Kam hoch auf einem ſtolzen Roß
Dem raſchen Thiere nachgeflogen.
O wie ihr ſchwarzes Haar um weiße Schultern floß!
O welch ein hoher Muth dem großen Aug' ent⸗ ſtrahlet!
Wie prächtig ihren Leib die Löwenhaut umhüllt!
Ein kluger Mahler hätt' ein Bild
Dianens ganz nach ihr gemahlet.
Was mit Bewunderung am meiſten mich erfüllt,
Indem ich ſie, enteilend meinem Sitze, 115
Betrachtete, war dieß: Trotz ihrer Jägerhitze,
Trotz ihrem Stolz, ſchien ſie nicht wild.
Doch ſieh! urplötzlich ſpringt ihr Zelter in die
Wogen.
Mit Gegenwart des Geiſtes ſtrebet ſie,
Ihn an den Strand zu leiten, eitle Müh'!
Er, von dem Strome fortgezogen,
Schlüpft unter ihr hinweg; ſie ſinkt und rudert ſchwer,
Doch nur ein Augenblick! ſo ſeh' ich ſie nicht mehr.
Du fragſt wohl nicht, ob ich ihr eilig nachgeſprun—
gen/ Ich ſuchte lang' umſonſt, bis es mir doch gelun⸗ gen, 120
Daß ich ihr dichtes Haar erfaßt.
An das Geſtade ſchleppt' ich nun die theure Laſt
Ich find' an ihr kein Lebenszeichen.
Verzweifelnd trag' ich ſie in unſre Hütte hin.
Hier pflegt ſie Myrtale: der Ohnmacht Fröſte wei⸗ chen,


