258 Zweiter Abſchnitt. 1715. Thames Darrell.
„Da iſt das Haus,“ ſagte Jack, auf eine niedliche Hütte zeigend, deren kleine hölzerne Vorhalle mit Roſen und Schling⸗ pflanzen bedeckt war und einen ſauber gehaltenen Vorder⸗ garten hatte.„In einer Minute bin ich wieder zurück.“ „Uebereile dich nicht,“ ſagte Jonathan,„ich will hier auf dich warten.“
Neunzehntes Kapitel. Das Gute und das Böſe.
Als Jack das Thor öffnete und durch den kleinen Garten ging, welcher an jeder Stelle von der Sorgfalt ſeiner Eigen⸗ thümerin Zeugniß ablegte, zitterte er faſt bei dem Gedanken, daß er ihre Seelenruhe wieder ſtören würde. Er ſtand in der Abſicht, wieder umzukehren, ſtill und blickte in der Rich⸗ tung nach der Dorfkirche zurück, deren Thurm ſo eben über den Bäumen hervorragte. Die Krähen krächzten in den Zweigen und die ganze Natur ſchien zum Genuß des Glücks zu erwachen. Von dieſem friedlichen Schauſpiel wandte ſich Jack's Auge nach Jonathan, der auf dem Drehling im Schatten eines Hollunderbaums ſaß und ihn augenſcheinlich beobachtete. Ein ſarkaſtiſches Lächeln ſchien um ſeine Lippen zu ſpielen, und der Knabe ſetzte, ſich ſeiner Unſchlüſſigkeit ſchämend, ſeinen Weg fort.
Nachdem er einigemale vergebens an die Thür geklopft hatte, verſuchte er den Drücker und fand ſie zu ſeinem Er⸗ ſtaunen offen. Er trat mit ſchweren Ahnungen ein. Eine Katze lief herbei und rieb ſich an ihm, und ſchien ihn miauend um Futter zu bitten. Dies war der einzige Laut, den er hörte.
Jack fürchtete ſich faſt zu ſprechen, aber endlich muſterte er ſeinen Muth und rief:„Mutter!“
„Wer iſt da?“ fragte eine ſchwache Stimme vom Bett her.
„Dein Sohn,“ antwortete der Knabe.


