Teil eines Werkes 
1. Theil (1845)
Entstehung
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Die Wittwe und ihr Kind. 3

meinem armen Manne der beſte Herr geweſen, und jetzt haben Sie ſich ſeiner Wittwe und ſeiner Waiſe als der beſte Freund bewieſen.

Schon gut! ſprechen wir nicht weiter davon, verſetzte der Mann haſtig.Ich habe nur meine Pflicht gethan und verdiene und verlange Euren Dank nicht. Wer den Armen giebt, leihet dem Herrn! Das iſt mein Troſt. Und die ge⸗ ringe Hülfe, welche ich leiſten kann, hätte ich Euch ſchon längſt angeboten, wenn ich gewußt hätte, wo Ihr ein Unter⸗ kommen geſucht habt nach Eures unglücklichen Mannes

Hinrichtung, wollten Sie ſagen, Sir, ergänzte Miſtreß Sheppard mit tiefem Seufzer, als ſie ſah, daß ihr Wohl⸗ thäter dies Wort auszuſprechen anſtand.Sie ſchonen die Gefühle der Verbrecherwittwe mehr, als nöthig iſt. Ich bin die Schande, ſo wie das Unglück, gewohnt, und gegen beides gefühllos geworden; aber ich bin kein Mütleiden ge⸗ wohnt und weiß nicht, wie ich es aufnehmen ſoll. Mein Herz würde ſprechen, wenn es könnte, denn es fließt über. Es gab eine Zeit, vor vielen, vielen Jahren, wo mir bei dem bloßen Gedanken an eine ſolche Großmuth, wie die Ihrige, die Thränen unwillkürlich aus den Augen geſtrömt ſein würden; aber jetzt kommen ſie nicht mehr. Seit jenem Tage habe ich nicht wieder geweint.

Und ich hoffe, Ihr werdet nie wieder Urſache haben zu weinen, arme Frau, entgegnete Wood, die Laterne hin⸗ ſetzend und ſich eine Thräne aus den Augen wiſchend;es müßten denn Freudenthränen ſein. Pah! fuhr er fort, in⸗ dem er ſeine Rührung mit Gewalt zu unterdrücken ſuchte, ich kann Euch nicht ſo verlaſſen. Ich muß noch ein Paar Augenblicke bleiben, wäre es auch nur, um Euch heiter zu ſehn.

Bei dieſen Worten ging er wieder in das Haus, machte die Thür zu und ſchritt mit der Wittwe nach dem Kamine,

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