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Glaube, Liebe, Hoffnung : drei Novellen / von Chlodwig
Entstehung
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Suͤndige nicht, mein Sohn, in der Traurig⸗ keit deiner Seele; verſetzte der greiſige Pater,dein Glaube war nicht echt, wenn er erſchuͤttert werden konnte, und Zweifel in deine Bruſt das Schickſal vermochte zu ſäͤen. Gott iſt die Liebe, und der feſte Glaube an ſeine unerſchoͤpfliche Guͤte, lindert alle Leiden, die die Herzen der Menſchen treffen. Es giebt drei heilige Symbole in der Welt, an die der Menſch den Glauben nie verlieren muß; ich will ſie dir mitgeben, mein Sohn, auf die Reiſe deines Le⸗ bens. Das erſte iſt der Glaube an die unendliche liebende Fürſorge Gottes! Er faßt die Liebe, die Stärke des Höchſten, und die Hoffnung an ein beſ⸗ ſeres Leben in ſich; denn daͤucht uns Sterblichen auch der gottliche Rathſchluß oft hart, waͤhnen wir uns auch oft von der Stärke ſeines gottlichen Wil⸗ lens vernichtet, und ſchwindet uns auch oft durch die uns auferlegten ſchweren Pruͤfungen ſelbſt die Hoffnung hier jemals gluͤcklich werden zu können, oder wohl gar, durch die Liebe Gottes einer beſſern Zukunft entgegen zu gehen, liegt dies doch nur in unſern engen Begriffen von der guͤtigen, liebenden Allmacht des Höchſten. Das, was Gott uͤber uns verhaͤngt, iſt immer gut; der wahre Glaube an ihn ſtärkt uns in jeglicher Gefahr und gießt Troſt in unſer Herz und lindert den Schmerz deſſelben, gleich dem erquickenden Balſam von liebender Hand ge⸗ traͤufelt in tiefer blutender Wunde. Ja, lieber Sohn,