323
daß der Neckar über den Berg fließen möchte, damit der Waſſermangel nicht ſo groß ſei.
Die Sterne glitzerten hell, Emmerenz blickte hinauf und ſagte:„Es iſt doch goldig, wie viel Millionen Stern' da oben ſind, das iſt grad, wie wenn an einer rußigen Pfann' ſo viel tauſend Lichtle fünkeln, aber viel vielmal ſchöner und heiliger und da droben ſitzt unſer Herrgott und hält Wacht. Man verſchlaft doch das ganze Jahr recht viel Schönes, und wenn man nicht recht um ſich guckt, merkt man's auch nicht, wenn man die Augen offen hat. Er hat recht gehabt, ich merk' jetzt viel beſſer auf Alles auf, und es macht mir auch viel Freud.“ Da fiel eine Stern⸗ ſchuppe, Emmerenz hob die Hände empor und rief:„Jvo!“ Sie ſtand ſtill und blickte ſchamhaft zur Erde, ſie hatte den tiefſten Wunſch ihres Herzens geoffenbart, denn es iſt wohlbekannt, daß das, was man beim Fallen einer Stern⸗ ſchuppe wünſcht, in Erfullung geht.
Raſch ihres Weges fortgehend dachte Emmerenz wieder: „Ach Gott! Wenn ich nur ſo ein' Mühl' hätt', da wollt' ich ſchaffen wie ein Gaul. Ach lieber Heiland! es muß doch prächtig ſein, wenn man ſo ein Gütle anguckt und ſagen kann: das iſt mein. Ich möcht' nur wiſſen, wen er heirathen thät, wenn er kein Geiſtlich wird? Unſer Herr⸗ gott iſt mein Zeug', ich lauf grad ſo gern für ihn, wenn er auch eine Andere nähm'; grad ſo gern? nein, das doch nicht, aber doch rechtſchaffen gern. Er hat recht, daß er kein Geiſtlich wird: ſo Niemand auf der Welt haben und Niemanden ſein,*) das iſt doch ein ſchwer Kreuz. Wenn unſer Herrgott gewollt hätt', daß man kein Weib nehmen ſollt', hätt' er lauter Mannsleut' gemacht und ließ er die Menſchen auf den Bäumen wachſen. Ei das ſind doch recht gottloſe Gedanken“— ſchloß Emmerenz ihr Selbſt⸗ geſpräch und lief ſchneller, als wollte ſie ihren eigenen
*) Angehören. 3 2


