Der Schloßbauer lebte aber mitten im Dorfe wie auf einer Einöde. Kein Menſch bot ihm die Zeit, kein Menſch beſuchte ihn. Wenn er ins Wirthshaus kam, war Alles plötzlich ſtill. Es war ihm immer, als ob ſie gerade von ihm geſprochen hätten. Er legte ſeinen mit gutem Tabak gefüllten Beutel neben ſich auf den Tiſch, aber eher hätte einer ſeinen Mund auf einen Stein aufgeſchlagen, ehe er den Schloßbauer um eine Pfeife Tabak gebeten hätte. Anfangs gab er ſich alle Mühe, um die wie verabredete Feindſeligkeit Aller durch Freundlichkeit und Güte zu zer⸗ ſtreuen, denn er war von Natur ein guter und nur etwas ſtrenger Mann; als er aber ſah, daß es nichts fruchtete, verachtete er Alle insgeſammt, ſcherte ſich wenig mehr um ſie, und ſetzte nun erſt recht ſeinen Kopf darauf, ſein Recht zu behaupten. Er ſchloß ſich nun ſelber von Allen ab, nahm Taglöhner aus Ahldorf zu ſeinen Feldarbeiten, und gleichſam um auch nicht einmal Gott mit ſeinen Dorf⸗ genoſſen zu dienen, ging er Sonntag Morgens jedesmal nach Horb in die Kirche. Er ſah ſtattlich aus, wenn er ſo dahin ſchritt. Er ſchien kleiner, als er war, denn er war gedrungen und breitſchulterig; er hatte ſeinen drei⸗ eckigen Hut etwas muthig nach der linken Seite zu geſetzt und den breiten Theil nach vorn gekehrt. Durch den Schatten, der dadurch auf ſein Antlitz fiel, ward dieſes noch finſterer und ernſter, als es eigentlich war. Wenn er dann ſo feſt einherſchritt, klingelten die breiten, ganz nahe an einander gereihten ſilbernen Knöpfe an ſeinem blauen Rocke ohne Kragen und die runden ſilbernen Knöpfe an ſeiner rothen Weſte hell wie ein Glockenſpiel auf einander.
Die Mutter und ihre Kinder, namentlich aber ihre beiden Töchter Agathle und Vefele, litten am meiſten bei dieſer Trennung von der Gemeinde. Sie ſaßen oft bei einander und klagten über ihr Loos und weinten, während der Vater in der Stadt mit ſeinem Advokaten beim Schop⸗ pen ſaß und erſt ſpät heimkehrte. So weit war der Haß gegangen, daß ſelbſt die Armen, aus Furcht vor den Andern, keine Gabe aus des Schloßbauern Hauſe nehmen durften.
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