V
13
das Fröſundathor ſtürzen und über die Landſtraße nach dem gegenüber liegenden Hagawald eilen ſehe. Ein langer grüner Flor bedeckte ihren Kopf und feine Streifen von Goldkanten ſchimmerten in der Dämmerung, während der Schleier dem laufenden Mädchen nachflog. Schon die Farbe und das Gold am Schleier waren hinreichend, mich in Erſtaunen zu ſetzen— und das aus leicht begreiflichen Gründen, Moritz— es war, es konnte kein anderer ſeyn, als eben der Schleier, den Du mir ſelbſt einmal kaufen halfſt. Nun gut, einen Augenblick darauf fliegt ein junger Mann durch daſſelbe Thor nach und begibt ſich ebenfalls ſchnell in den Hagapark. In dieſem erkenne ich ſehr wohl Ferdinand † †, meinen eigenen Capitän. Aber Gott!— welche von beiden konnte jetzt ſie ſeyn? warum floh ſie? warum, wenn ſie die rechte iſt?
Mein Entſchluß war gefaßt, ich ſtieg ab, band meine Rodamonte in einiger Entfernung an den Zaun und ſchlich mich in den Wald. Was ſah und hörte ich nicht in dem reizenden Helldunkel, das die Hagagegenden je hervorzau⸗ berten! Bald flatterten die weißen Zipfel ihres Kleides wie blendende Schneeflocken an einem Buſche vorüber, und kühlten meine brennende Einbildungskraft, bald kamen lange grüne Flammen von Flor— ich muß ſie Flammen nennen, denn ſie brannten mich— ich konnte mich nicht darin täuſchen, eben dieſen mit chineſiſchen Goldſchmetter⸗ lingen durchwobenen Schleier hatte ich ſelbſt ihr geſchenkt ja— es war ſie! Auf den Ruf des jungen Ritters blieb der ſchlanke Flüchtling bald ſtehen. Sie konnte nicht weiter, dichte dunkle Zweige ſtanden da und hinderten ſie weiter zu fliehen, wenn ſie auch gewollt hätte, Moritz. Ihr maleriſches Bild ſtach gegen die Zweige auf eine Weiſe ab, Moritz— o Gott! ich ſelbſt ſtand in einiger Entfernung verborgen und athmete nicht mehr. Eben die Undeutlichkeit, die halbe Hölle, in der ſie ſchwebte, machte ſie zu der ſchönſten Sylſide, ich habe in des Herzogs Gallerie keine reitzendere geſehen. Der Ritter ſtürzte auf ein Knie vor ihr nieder.„Nur etwas gib mir, wenn


