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Malcolm zögerie nicht, die Erlaubniß zu benutzen, und der Hermarper Spielmann machte nur noch län⸗ gere und prächtigere Bogenſtriche. Herr Auguſt und Frau Sophie ſaßen auf einer Bank vor dem Hauſe, aber Amalie fand das unſchuldige Volksvergnügen ſo erheiternd, daß Oskar einen Wink von ihr bekam, den er leicht verſtand, und ſie ſchnell zum Tanz aufforderte.
Nun bewegte ſich die Baronin Ekenſparre ſo leb⸗ haft am Arm ihres Gatten um den Baum, daß ſie nach einer kleinen Weile vor Wärme halten und ihrer Kam⸗ merjungfer um das Sacktuch winken nußte; ſie hatte es im Wagen vergeſſen.
Lotte kam mit dem Beutel zurück. Es verlohnt ſich zwar kaum der Mühe, davon zu ſprechen, aber um nichts zu verſchweigen, müſſen wir erwähnen, daß dieß der ältere Beutel der Baronin Ekenſparre war; der, den ſie das letzte Mal auf ihrer Reiſe nach Stockholm und Upſala benützt, gleich darauf aber bei Seite gelegt hatte, als Oskars feiner Geſchmack ihre Effekten mit einem neuen von der ſchönſten Gattung bereicherte. Der ältere hatte dadurch den Titel eines Reiſebeutels erhalten, weßhalb er auch mit auf die Reiſe nach Kopenhagen genommen worden war. Lotte eilte mit dem Befohlenen herbei, und da Amalie ſogleich wieder am Tanze Antheil nehmen wollte, nahm ſie ihr Sack⸗ tuch mit ſo großer Haſt heraus, daß er dadurch ganz umgekehrt wurde und ein kleines Paquet aus dem Grunde deſſelben neben dem Maibaum niederfiel.
Amalie ſtarrte auf das Papier.„Mein Gott!“ rief ſie in Gedanken,„daß ich das bis jetzt vergeſſen konnte! Wird Herr Rutfors mir verzeihen, wird meine Mutter mir verzeihen können? Woher kam meine un⸗ begreifliche Vergeßlichkeit? Ich glaubte alſo Alles nach der Wiedervereinigung meines Vaters und meiner Mut⸗ ter ſo ſchön und glücklich im Reinen, daß ich kein wei⸗ teres Bedürfniß fühlte! Doch jetzt keine Zögerung mehr.“
Mit Herrn Rutfors Gabe in der Hand ging Ama⸗ lie zu der Bank hin, wo ihr Vater und ihre Mutter


