Druckschrift 
Der wandernde Schatten oder die Mahnung aus der Todtengruft : und andere Geschichten aus dem Mittelalter / von I. Albiny
Einzelbild herunterladen

24

zu wenig Reize, und das eingezogene, geraͤuſchloſe Leben ihres Gemahls ſchien ihr unertraͤglicher und verabſcheuenswuͤr⸗ diger, als die Einſamkeit einer Eremiten⸗ klauſe. Sie haſchte gierig nach Freuven und Genuß, aber fand beides nicht,— und ihr Gemahl, verſunken in Truͤbſinn und Mißmuth, bemuͤhte ſich im geringſten nicht, ihr die Zeit zu kuͤrzen und ſie allmaͤh⸗ lig an eine ſtillere und geräuſchloſere Le⸗ bensart zu gewoͤhnen; vielmehr war er jetzt noch viel finſterer und unertraͤglicher als in Dresden, da er noch Liebhaber und Bräutigam war. Jetzt lernte Anna, was ſie in Dresden nicht hatte lernen moͤgen — weinen, und einen Schritt bereuen, den ſie ſorglos aus dem Hauſe der Freuden in das Trauerhaus des Mißmuths ge⸗ than hatte.

Nicht lange bewohnte ſie mit idrem Gemahl das herzogliche Schloß, die Eh⸗ renburg genannt, als ſie ein neuer uner⸗ warteter Schlag traf, den ſie um ſo hef⸗

—