der Königin Anna. 149
und Ormond geſehn habe,“ erwiederte die Königin matt,— „wo ſind ſie?“
„Ich will hingehn und ſie gleich herholen; es iſt kein Augenblick zu verlieren,“ entgegnete Blackmore. Und indem er hinaus eilen wollte, trat Bolingbroke ihm entgegen und fragte haſtig:„Iſt Gefahr vorhanden?“
„Dringende Gefahr!“ antwortete Blackmore.„Es iſt ein hoffnungsloſer Fall. Die Königin kann nicht drei Tage mehr leben!“ Und hiermit eilte er hinaus.
„Dann iſt alles verloren!“ rief Bolingbroke und ſchlug ſich vor die Stirn. Und als er aufblickte, bemerkte er, wie Harley ihn mit boshafter Miene beobachtete.
Lady Masham bemühte ſich unabläſſig um ihre könig⸗ liche Gebieterin; jedoch dieſe ward von Augenblick zu Augen⸗ blick ſchlimmer und hörte nicht auf, nach dem Herzog von Shrewsbury zu fragen.
„Hat Eure Majeſtät keine Befehle für Lord Boling⸗ broke?“ fragte Lady Masham.
„Durchaus keine!“ antwortete die Königin feſt.
Jetzt kam Sir Richard Blackmore mit dem Herzog von Shrewsbury, dem Lord⸗Kanzler nnd einigen andern Hof⸗ perſonen wieder.
„Oh! ſind Sie da, Mylords?“ fragte die Königin ſehr erleichtert.„Ich fürchtete, Sie würden zu ſpät kommen. Sir Richard wird Ihnen von meinem gefährlichen Zuſtande geſagt haben,— nein, es iſt unnütz, es mir verbergen zu wollen. Ich fühle mein Ende herannahen. Mylords, der Poſten eines Schatzmeiſters iſt in dieſem Augenblick erle⸗ digt, und wenn mir etwas widerfährt, könnte die Sicherheit des Königreichs gefährdet werden. Mylord von Shrews⸗ bury, Sie ſind ſchon Lord⸗Kammerherr und Lord⸗Statthal⸗ ter von Irland. Ich habe noch einen Poſten für Sie. Neh⸗ men Sie dieſen Stab,“ fuhr ſie fort, indem ſie ihm das auf


