376 Sechsundachtzigſtes Kapitel.
ſchichte aufgetreten. Wir können dieß um ſo weniger unterlaſſen, da hierbei noch ein paar kleine Sclavengeſchichten zu Tag kommen, deren Details ſich der Leſer, wenn er gleiche Verhältniſſe bei ſich oder Anderen ſieht, am Beſten ſelbſt auszumalen im Stande ſein wird.
Gewöͤhnlich folgt auf eine Verlobung die Hochzeit. So war es auch bei dem Grafen Fohrbach und Arthur Erichſen der Fall. Obgleich die Freundſchaft dieſer Beiden in gleicher Stärke fort⸗ dauerte, ſo hatten ſie ſich doch in letzter Zeit nicht ſo häufig ge⸗ ſehen wie früher. Zufällig aber war die Hochzeit beider Paare an demſelben Tage, und faſt zur gleichen Stunde verließen ſie die Stadt, um eine längere Reiſe anzutreten. Graf Fohrbach zog gen Norden, wo ſeine Familie weitläufige Güter beſaß, Arthur aber nach Italien, nach dem herrlichen Lande, das er ſchon lange zu ſehen gewünſcht. Der Abſchied Clara's von ihrem Vater war ziemlich ſchmerzlich geweſen, denn Herr Staiger meinte, bei ſeinem Alter könne die Trennung von einem halben Jahre wohl zu einer ewigen werden. Doch beſtätigte ſich dießmal die Vermuthung des alten Herrn nicht, vielmehr als Clara nach der angegebene Beit zurückkehrte, fand ſie ihn friſch und geſund wieder, obgleich nicht mehr in der Balkengaſſe, wo ſie ihn verlaſſen. Die Commerzien⸗ räthin hatte nämlich ihren Schützling dem Gemahl dringend em⸗ pfohlen, und die Folge davon war, daß Herr Staiger auf dem Kaſſenamt des großen Banquierhauſes angeſtellt wurde, wo er vermöge ſeiner Ordnungsliebe und Rechtlichkeit die vortrefflichſten Dienſte leiſtete.
Was man ſo Brautviſiten nennt, hatten Clara und Arthur vor ihrer Abreiſe nicht gemacht; als ſie aber zurückkamen und ihr Haus einrichteten, zeigten ſie dieſes ihren Freunden und Be⸗ kannten, ſowie auch auf den Wunſch der Commerzienräthin denen


