Des Jägers Bericht.
auf mich fiel ſein Blick, und als er mich ſo ruhig da unten warten ſah, winkte er mir noch einmal freundlich mit der Hand zu.— O ſehr freundlich.— Und gleich darauf war er zwiſchen den Bäumen verſchwunden.“————
Dieſe letzten Worte hatte der Jäger mit kaum verſtändlicher Stimme geſprochen. Dann ſagte er:„Verzeihen mir Euer Er⸗ laucht, aber ich kann nicht anders;“ worauf er ſeine Hände vor die Augen preßte und einige Secunden ſo verblieb.
Der Graf hatte ſeine Cigarre weggeworfen und er ſowie der Major blickten in der größten Spannung auf den Jäger, der nun die Hände langſam niederſinken ließ, tief aufſeufzte und fortfuhr: „Darauf befand ich mich allein in dem Walde. O es waren das ſchreckliche Augenblicke! Und ich horchte wohl athemlos auf jedes Geräuſch, wenn weit von mir entfernt irgend ein Wild durch das dürre Laub raſchelte, wenn ein welkes Blatt neben mir zu Boden fiel, ſo ſchrack ich zuſammen, indem ich befürchtete, irgend etwas Anderes überhört zu haben.— O Herr Graf, wenn man im dichten Walde auf etwas lauſcht, wobei das Herz mit im Spiele iſt, ſo iſt die Stille, die uns umgibt, feierlicher und ernſter als die Ruhe eines Kirchhofes.— Ich kenne das,“ ſetzte er mit leiſerer Stimme bei.—„Auf einmal knallte ein Schuß.— Gnä⸗ diger Herr, ich habe Schüſſe knallen hören unter ſchauerlichen Verhältniſſen. Aber ſo wie dieſer heute Morgen hat mich nie was erſchüttert. Gleich darauf fiel ein zweiter. Ich riß meine Uhr heraus und als ich ſah, daß es halb Sieben war, ſtürzte ich den Waldweg hinan.— So eilig ich auch war, ſo blieb ich doch zuweilen zitternd ſtehen und lauſchte.— Was konnte es mich auch nützen, daß ich ſchnell an Ort und Stelle kam, mir ahnete ja doch, was ich finden würde? Dann ſpielte ich mir auch wohl eine falſche Hoffnung vor und blieb ich in der Abſicht ſtehen, um


