Teil eines Werkes 
4. Bd. (1854)
Entstehung
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Siebenundſechszigſtes Kapitel.

Auch heute Abend war die Klingel ertönt, da aber außer der Kellnerin ſonſt keine menſchliche Seele im Zimmer war, ſo hatte ſie nur auf dieſe ihre Wirkung ausgeübt. So hurtig es ihr die alten Beine erlaubten, war ſie aufgeſprungen, hatte nach⸗ V geſchaut, ob die Drähte der Klingelzüge auch wirklich unverwirrt neben einander hangen, ſie war auf einen Stuhl geſtiegen und hatte ein kleines Käſtchen betrachtet, welches ungefähr acht

Schuh vom Boden an der Wand hieng. In dieſes Käſtchen führte von oben eine kleine feine Kette, welche durch die Decke kam und irgendwo im Hauſe gezogen werden konnte. Auch dieſen Zug unterſuchte ſie, ob er in Ordnung ſei und nicht ſtocken werde; ſite zog das kleine Kettchen vorſichtig in die Höhe, worauf eine Feder anſchlug und hell und ſchrill der Klang einer Glocke ertönte. Zu gleicher Zeit öffnete ſich der Boden des Käſtchens nach unten. Die Alte nickte ſelbſtzufrieden mit dem Kopfe, als ſie ſah, daß die ganze Maſchinerie in Ordnung ſei, und drückte den Boden 3 wieder vorſichtig in die Höhe, deſſen Schloß mit einem kleinen Geräuſch wieder zuſprang.

Dieß Käſtchen hatte eine ſehr wichtige Beſtimmung, denn wenn die Glocke anſchlug und ſich der Boden öffnete, ſo hatte das alte Weib die Verpflichtung, augenblicklich den Haupthahnen der Gasbeleuchtungsröhren zuzudrehen und ſo das ganze Haus in tiefſte Finſterniß zu verſetzen. So lange nun die Alte als Pförtnerin ſich hier befand, war das nur ein einziges Mal ge⸗ ſchehen und zwar in einer fürchterlichen Nacht, an die ſie nur mit Schrecken dachte.

So öde und leer wie das Schenkzimmer waren auch die Treppen und Corridore, obgleich hell beleuchtet; nur in einem Winkel der Letzteren ging ein Mann ruhig auf und ab, nach Art V einer Schildwache. Und dieſen Dienſt verſah er auch. Von der